Die größte Sorge vor einem Relaunch ist selten das Design. Es ist die Frage: „Verliere ich meine Google-Rankings?” Die ehrliche Antwort: Ja, wenn der Umzug schlampig gemacht wird. Nein, wenn er sauber geplant ist – dann werden die Rankings durch die schnellere Seite in der Regel sogar besser.
Dieser Artikel beschreibt, wie wir den Wechsel von WordPress zu einer statischen, individuell entwickelten Website durchführen. Er ist auch als Checkliste gedacht, falls du den Umzug mit einer anderen Agentur planst.
Schritt 1: Bestandsaufnahme – was hat die alte Seite?
Bevor irgendetwas gebaut wird, erfassen wir vollständig, was existiert:
- Alle URLs. Nicht nur die Seiten im Menü, sondern auch Blogartikel, Kategorie-Archive, Tag-Seiten, Autorenseiten, Bild-Anhangsseiten. Die XML-Sitemap von WordPress (meist unter
/sitemap_index.xml) ist der Ausgangspunkt; die Google Search Console zeigt, welche davon tatsächlich Besucher:innen bringen. - Alle Inhalte. Texte, Bilder mit Alt-Texten, Meta-Titel und -Beschreibungen, strukturierte Daten. Wir exportieren das strukturiert – nicht per Copy & Paste aus dem Frontend, sondern aus dem Quelltext, damit nichts verloren geht.
- Rankings und Traffic. Welche Seiten ranken für welche Begriffe? Welche haben Backlinks? Diese Seiten bekommen beim Umzug besondere Aufmerksamkeit.
- Technische Altlasten. Redirects, die schon existieren, Weiterleitungsketten, defekte Links, Seiten mit
noindex.
Das Ergebnis ist eine Tabelle mit jeder alten URL und der Entscheidung: bleibt, wird weitergeleitet, oder entfällt.
Schritt 2: URL-Struktur festlegen
Die wichtigste Regel für einen Umzug ohne Rankingverlust lautet: Behalte URLs bei, wo immer es geht. Eine Leistungsseite unter /webdesign-leipzig/ bleibt unter /webdesign-leipzig/. Ein Artikel unter /wissen/mein-artikel/ bleibt dort.
Es gibt gute Gründe, einzelne URLs zu ändern – etwa das /category/-Präfix, das WordPress vor Kategorie-Archive setzt, oder Slugs, die 15 Wörter lang sind. Für jede geänderte URL gilt: Es gibt eine 301-Weiterleitung von der alten auf die neue Adresse. Nicht auf die Startseite, sondern auf die inhaltlich passende Seite. Google überträgt die Signale der alten URL auf die neue, wenn die Weiterleitung dauerhaft (301) ist und das Ziel thematisch passt.
Was ersatzlos entfällt – Autorenseiten, Tag-Archive ohne Wert, Anhangsseiten für Bilder –, wird ebenfalls weitergeleitet (auf die nächstpassende Übersicht) oder bewusst mit dem Statuscode 410 („Gone”) beantwortet, damit Google die Seiten schnell aus dem Index nimmt.
Schritt 3: Inhalte übernehmen und schärfen
Beim Umzug werden Inhalte nicht einfach kopiert, sondern in eine strukturierte Form gebracht: Texte werden zu Markdown-Dateien, wiederkehrende Elemente wie Leistungskarten oder Kontaktdaten zu zentralen Datenquellen. Das ist der Moment, in dem sich Inkonsistenzen der alten Seite zeigen – drei verschiedene Schreibweisen der Adresse, verwaiste Buttons, Texte, die auf ein Angebot verweisen, das es nicht mehr gibt.
Meta-Titel und -Beschreibungen übernehmen wir für gut rankende Seiten unverändert; wo sie schwach waren, schreiben wir sie neu. Strukturierte Daten (Schema.org für Unternehmen, Leistungen, Artikel, FAQ) werden nicht aus einem Plugin generiert, sondern gezielt in die Vorlagen eingebaut.
Schritt 4: Neu bauen – schneller, ohne Ballast
Die neue Seite entsteht als statisch generierte Website. Was das bedeutet, erklärt der Artikel Statische Website erklärt im Detail; für den Umzug sind drei Punkte relevant:
- Bilder werden beim Build automatisch in moderne Formate (WebP/AVIF) und passende Größen umgerechnet. Das größte Performance-Problem der meisten WordPress-Seiten – unkomprimierte Bilder in voller Kameraauflösung – verschwindet damit.
- Schriften werden vom eigenen Server ausgeliefert, nicht von Google. Das ist schneller und datenschutzrechtlich sauber.
- Skripte beschränken sich auf das Nötige. Kein Page-Builder-Framework, kein jQuery, keine 20 Plugin-Skripte.
Die neue Seite wird auf einer Staging-Adresse gebaut und geprüft, während die alte weiterläuft.
Schritt 5: Redirects einrichten und testen
Die Weiterleitungstabelle aus Schritt 1 wird in die Serverkonfiguration übersetzt – bei Apache-Hosting in die .htaccess. Dazu kommen Regeln für die WordPress-typischen Pfade, die nach dem Umzug nicht mehr existieren: /wp-admin, /wp-login.php, /xmlrpc.php, /wp-content/…. Diese beantworten wir mit 410, damit die Bots, die diese Adressen täglich abklopfen, aufhören.
Vor dem Livegang testen wir jede einzelne alte URL automatisiert: Antwortet sie mit 200 (Seite existiert), 301 (Weiterleitung auf das richtige Ziel) oder 410 (bewusst entfernt)? Ein 404 darf nicht vorkommen.
Schritt 6: Livegang
Der eigentliche Umzug ist ein DNS-Wechsel: Die Domain zeigt ab jetzt auf den neuen Server. Weil die neue Seite vorher vollständig auf Staging geprüft wurde, dauert die Umstellung Minuten, nicht Tage. Direkt danach:
- HTTPS prüfen,
wwwundnicht-wwwauf eine Variante zusammenführen. - Die neue XML-Sitemap in der Google Search Console einreichen.
- Die wichtigsten Seiten in der Search Console zur erneuten Indexierung anstoßen.
- Die alte WordPress-Installation abschalten – nicht nur die Domain umziehen. Eine vergessene WordPress-Instanz auf dem alten Webspace ist ein Sicherheitsrisiko, auch wenn sie nicht mehr verlinkt ist.
Schritt 7: Beobachten
In den ersten Wochen nach dem Umzug beobachten wir die Search Console: Crawling-Fehler, 404-Meldungen, Indexierungsstatus, Rankings der Kernseiten. Kleine Schwankungen in den ersten Tagen sind normal – Google crawlt die neue Seite und bewertet neu. Ein sauber durchgeführter Umzug zeigt nach zwei bis vier Wochen stabile oder bessere Werte als vorher.
Was du als Betreiber:in vorbereiten kannst
- Zugang zur Google Search Console (falls noch nicht eingerichtet: jetzt einrichten, damit es Vergleichsdaten gibt).
- Zugang zur Domain-Verwaltung und zum bisherigen Hosting.
- Eine Liste der Seiten, die dir besonders wichtig sind – und derer, die du loswerden willst.
- Originaldateien für Logo und Bilder, falls sie nur in der WordPress-Mediathek liegen.
Fazit
Ein Umzug von WordPress ist kein Risiko für die Sichtbarkeit, wenn er mit einer vollständigen URL-Bestandsaufnahme beginnt, jede geänderte Adresse sauber weiterleitet und die neue Seite vor dem Livegang gründlich getestet wird. Der Lohn: eine Website, die schneller lädt, nicht mehr gepatcht werden muss und deren Betrieb sich wieder um Inhalte dreht statt um Updates.
Wenn du deine Website umziehen möchtest, schreib uns. Wir schauen uns die bestehende Seite an und erstellen die URL-Bestandsaufnahme als ersten Schritt – so weißt du vorab genau, was der Umzug umfasst.